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Nov

Bereits 1994 war ich für eine internationale Beratungsfirma in der IT Unternehmensberatung tätig und mir wurde schnell klar, dass das neue Produkt SAP R/3 das ist was Unternehmen brauchen. So beschloss ich Ende 1996 die Braun Consult mit Schwerpunkt SAP Beratung zu gründen. Das ist nun 20 Jahre her. Aber der Reihe nach.

 

1982 kaufte ich mir zusammen mit zwei Freunden den ersten PC. Natürlich einen Apple. Apple war schon damals angesagt. Den Kaufpreis teilten wir uns, alles andere wäre zu teuer gewesen, ein Fernseher diente als Monitor. Und los ging es mit „Basic“ & Co.

 

Nach meinem BWL Studium, 1987, war mein Wissensdurst nicht gestillt. Deshalb studierte ich noch VWL und einige Einheiten Informatik und verdiente meinen Lebensunterhalt mit freiberuflicher Controlling Beratung. Dabei stellte ich immer wieder fest wie mühsam es war Unternehmensdaten in einer zentralen Controlling Auswertung zusammenzutragen. Copy/Paste war meist noch die fortschrittlichste „Schnittstelle“. Zumindest gab es schon „Excel“. Es gab zwar damals schon SAP R/2 auf dem Markt, aber die Benutzeroberfläche erwies sich stets als zuverlässiges Einschlafmittel für mich. Ein gesundes Essen garantiert ja noch lange nicht für Appetit darauf.

 

1988 reiste ich für eine Bergtour 6 Wochen nach Nepal. Dort kam ich zum ersten Mal mit Mediation in Berührung. 18 h am Tag, 10 Tage lang nur sitzen und absolutes Schweigen! Nach 6 Tagen brach ich bewusstlos zusammen und durchlief eine mehr als viermonatige Schlafkrankheit. In der Zeit konnte ich keinen Tag mehr als 4 Stunden arbeiten, fühlte mich aber sonst sehr gut. Ich lernte zu akzeptieren, dass ich dem höchsten Berg meines Lebens begegnet bin und erstmal abgestürzt bin. Hohe Berge erklimmt man halt Schritt für Schritt und nicht im Sprinttempo. Die Bergroute musste geändert werden, aber wie, es gab keine bekannte Route.

 

Diese Erfahrung in Nepal veränderte wie ich die Dinge von nun an wahrnahm. Nicht mehr isoliert sondern in Zusammenhängen. Ich beendete mein VWL Studium 1990 von dem ich eher enttäuscht war. Weil die damals gelehrten volkswirtschaftlichen Modelle doch relativ trivial waren bezüglich der Anzahl der berücksichtigen Einflussparameter und doch kaum berechenbar waren, so schlecht waren damals noch Soft- und Hardware. Aber ich hatte nicht nur VWL studiert.

 

Die damals erworbenen betriebs- und volkswirtschaftlichen Erkenntnisse einerseits und meine zusätzlich erworbenen Kenntnisse in Psychologie, Biologie, Politik, Soziologie, Ökologie und Meditation anderseits wollte ich einer Abschlussarbeit einfließen lassen. Es solle so etwas wie eine „Abrechnung“ mit der wissenschaftlichen Eindimensionalität sein die mir tagtäglich an der Uni begegnete. Meine fortschreitenden Mediationskenntnisse halfen mir die Arbeit in einem Guss im Kopf zu entwerfen. Als ich meinen VWL Professoren den Titel meiner beabsichtigten Arbeit vorstellte, „die Wirtschaft des Menschentieres in der ökologische Krise“, flog ich mindestens dreimal aus dem Büro bis sie endlich einwilligten, wenn auch verbunden mit einer klaren Ansage. Sollte meine Aussagen in der Arbeit nicht höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen standhalten würde ich einfach kein VWL Diplom erhalten! Sie klangen nicht begeistert über meine Wahl. 6 Monate später war das Urteil beider Professoren: „magma cum laude“. Es war die erste Diplomarbeit an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät die in der wissenschaftlichen Bibliothek in mehreren Exemplaren zur Verfügung gestellt wurde. Aber das Ergebnis war nicht so wichtig, der Weg dahin war wichtig. Eine so hohe Bewertung konnte ich nur erreichen, weil ich mich für zwei renommierte Professoren entschied, die aber grundsätzlich nicht meine Ansichten vertraten, hart aber fair waren und mich so zu Höchstleistungen antrieben. So geht man einen hohen Berg an. Bedauerlich ist nur, das meine Prognosen was die Umweltentwicklung, besonders aber die Klimaentwicklung, 25 Jahre später, bestätigt wurden. So bleibt mir nur zu hoffen, dass auch der zweite Teil meiner Aussagen Bestätigung erhalten wird. Ich hätte auch einen anderen Titel für meine Arbeit wählen können: „Systems intelligence“ – um nichts anderes ging es im Kern der Arbeit. Systemische Intelligenz – allerdings meine ich damit nicht die verengte Sichtweise wie der Begriff häufig heute gebraucht wird. Das Angebot eine Universitätskarriere zu machen schlug ich aber aus. Meine erste Tochter wurde 1991 geboren, ich brauchte Geld für eine Familie, und ich war heiß auf Wirtschaft, auf Praxis und weniger auf den Muff der Universitäten.

 

1994 kam dann SAP R/3 auf den Markt. Endlich eine Software bei der ich nicht einschlief. Mir wurde schnell klar, dass das neue Produkt R/3 das ist was Unternehmen brauchen. Eine damals moderne Benutzeroberfläche basierend auf einer Client/Server Technologie und zahlreiche neue Funktionen. Sofort stieg ich als SAP Berater in eine internationale Beratungsfirma ein. 250 h Pensum pro Monat war Minimum, aber ich genoss jede Stunde SAP zu lernen und Firmen zu beraten.

 

Ende 1996 beschloss ich die Braun Consult mit Schwerpunkt SAP Beratung zu gründen. Das sind nun 20 Jahre her. Wir haben uns stetig weiterentwickelt und beraten mittlerweile einen Großteil der SAP Produkte und haben mit der Alligate eine leistungsfähige Marke und Vertriebsplattform in der wir starke Partner einbinden.

 

2016 stehen wir wieder an einem ähnlichen Punkt wie 1996. Neue technologische Herausforderungen sind die HANA Technologie und das Cloud Geschäft in Zusammenhang mit der SAP Plattform. Plattformen sind Positivsummenspiele. Die erfolgreichsten Unternehmen der digitalen Ära nutzen Plattformen. Plattformen treiben Netzwerk-Effekte. Auf der SAP HANA Cloud Plattform, um ein Bespiel zu nennen, finden sich sowohl neue Apps als auch neue Services die Geschäftsprozesse vorantreiben. Natürlich ist auch hier nicht alles Gold was glänzt. Deshalb verstehen wir uns als Service Partner auch in Zukunft als zuverlässiger und kritischer Beratungs- und Entwicklungspartner der zur Seite steht die neuen digitalen Chancen optimal zu nutzen.

 

Die Geschäftsprozesse der Zukunft beschränken sich nicht nur auf Herstellung und Verkauf von Produkten. In Zukunft ist das zu erweitern um neue Service, die von Software unterstützt werden. Beispiel Automobil: Immer mehr Menschen wohnen in Ballungsräumen und was sie brauchen ist nicht einfach ein Auto sondern Mobilität. Das Auto ist nur ein Baustein dieser Mobilität. Nicht mehr und nicht weniger. Anbieter die es verstehen Mobilität als ganzheitlichen Service anzubieten und verschiedene Mobilitätsträger in ein Gesamtangebot zu integrieren werden Kundenbindung erzeugen und Anbieter mit traditionellen Geschäftsmodellen in der Kunden-Lieferantenkette einen Platz nach hinten weisen. Dafür braucht es eine Plattform, Service, Software und Prozess know how. Das gilt für viele Branchen. Auch für Ihre Branche? Was meinen Sie?

 

Auch das Thema Business Intelligence wird uns weiter umtreiben, v.a. im Zusammenwirken mit SAP HANA, neuen Service wie Data Mining und neuen Oberflächen.

 

Was mich aber noch mehr umtreibt ist mein Lebensthema – Systems Intelligence. Anders ausgedrückt, wie erreichen wir es nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Firma zu stärken sondern das Gesamtsystem intelligenter zu machen und damit überlebensfähiger zu machen. Ein kurzer Blick auf unser Wirtschaftssystem genügt um erkennen zu können, dass wir tagtäglich unglaubliche Mengen an Energie, Ressourcen aller Art und menschlicher Leistung einsetzen mit relativ geringen Output und hohen Reibungsverlusten. Das ist das Thema von Systems Intelligence. Leistungsfähige Software wird auch hier ein wichtiger Baustein sein, wenn auch nur ein Baustein. Um auf das Mobilitäts-Beispiel zurückzukommen: Was wäre da wohl der Beitrag von systems intelligence? Neue Serviceangebote sind notwendig, aber müssen wir noch immer überall körperlich anwesend sein? Und viele zur gleichen Tageszeit auf der Straße oder Schiene? Ist das systemisch intelligent?

 

Die Gesellschaft die systems intelligence zunehmend praktiziert hält die Goldbarren der Zukunft in ihren Händen. Auch da wird uns Soft- und Hardware helfen können. Aber nur wenn wir parallel dazu menschliche Werte weiter entwickeln, Menschen nicht „abhängen“ und verstehen lernen das das „Menschentier“ nur eine evolutionäre Zwischenstation ist. Was nützt eine betriebswirtschaftliche erfolgreiche Firma, wenn die Menschen in der Firma nicht Werte entwickeln und leben die die Gesellschaft trägt und entwickelt? Die häufig praktizierte gedankliche Trennung zwischen beruflich und privat erweist sich dabei als das wie ZEN es bezeichnen würde, eine Illusion. Es gibt nur einen Menschen, nur eine Realität und auch nur in diesem Augenblick. Auch das ist systems intelligence.

 

In diesem Sinne ist es mir seit Jahren ein besonderes Anliegen neben Spitzenleistungen auch das „Gemeinsame“ in unserer Firma in den Vordergrund zu rücken, sei es in Form gemeinsamer Bergwanderungen, Seminaren zur bewussten Lebensführung, Bogen Schießen, Tai Chi, Yoga, Meditationskurse und Mitarbeiterförderung. Warum? Weil wir nicht nur über eine menschliche Gestalt verfügen sondern unseren Köper dazu nutzen können menschliches Bewusstsein und Handeln zu entwickeln.

 

Wir bleiben Ihnen erhalten, mit Financial, Business und Systems Intelligence.

 

Das ganze Team Braun Consult wünscht Ihnen und Ihren Liebsten eine friedliche und gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2017.

 

Ihr Klaus-Jürgen Braun

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